This is Google's cache of http://www.rhetorik.ch/Aktuell/05/02_11.html. It is a snapshot of the page as it appeared on May 3, 2019 19:53:58 GMT. The current page could have changed in the meantime. Learn more.
These search terms are highlighted:michaeljackson
Full versionText-only versionView source
Tip: To quickly find your search term on this page, press Ctrl+F or ⌘-F (Mac) and use the find bar.
rhetorik.ch aktuell: Zu Jacksons Medienstrategie
Rhetorik.ch


Knill+Knill Kommunikationsberatung

Knill.com

www.rhetorik.ch aktuell: (11. Februar, 2005)

Jacksons Medienstrategie



Video botschaft



Jackson: "In den vergangenen Wochen ist eine ganze Menge an schmutzigen, bösartigen Informationen in den Medien über mich verbreitet worden". Der 46-Jährige trug ein blaues Hemd mit offenem Kragen und blickte während der einminütigen Ansprache direkt in die Kamera. "Ich werde freigesprochen und rehabilitiert, wenn die Wahrheit ans Licht kommt", beteuerte Jackson.

Kleiderwahl

Michael Jackson trägt Weiss, die Farbe der Unschuld. Es ist viel auf dem Spiel. Wird Jackson verurteilt, drohen ihm 20 Jahre Haft. Gerichtsurteile sind zu wichtig, um den Ausgang den zwöf Geschworenen zu überlassen.

Jackson schien auf dem Weg zum Gerichtsgebäude zuversichtlich: er lachte, machte das Siegeszeichen, ein Bodyguard hielt einen schwarzen Sonnenschirm über ihn.


Die Experten sind sich nicht einig, ob Jacksons Kleiderwahl geschickt war:

Mary Fulginiti Jenow, ein Verteidigungsanwalt in Los Angeles, der auch für verschiedene Fernsehkanäle Analysen macht:

"Die Juroren nehmen jeden Aspekt unter die Lupe, auch was der Angeklagte trägt. Das Problem mit Michael Jackson ist, dass er so aussieht, als ob er gerade zu einem Mondspaziergang unterwegs wäre."
Andere Experten meinen, dass Angeklagte, die einen radikalen Kleiderwechsel machen, damit auch riskieren, ein falsches Signal an die Juroren zu senden: dass sie nämlich vorgeben, jemand anderes zu sein, als sie sind. Bradley A. Pistotnik, ein Anwalt aus Kanada meint:

"In diesem Fall muss man sich fragen, ob es nicht besser für Jackson wäre, sich selbst zu sein."
William Moffitt, der in den 90er Jahren ein Mitglied der "Red Hot Chili Peppers" verteidigt hatte, steckte den Angeklagten in einen netten Anzug, und hat gewonnen. Er würde Jackson dasselbe raten:

"Man würde Michael Jackson zum ersten mal in einem Armani Anzug und wie einen Menschen sehen."

Frühere VIP Verfahren

Winona Ryder, die normalerweise Blue-Jeans und kurze Blusen trägt, kam zugeknöpft ins Gericht, mit damenhafter "Marc Jacobs" Garderobe. Im Prozess ging es um Diebstahl in Los Angeles im Jahre 2002.
Robert Blake, der in Los Angeles für den Mord an seiner Frau vor Gericht steht, kam mit sorgfältig gekämmten Haar und Massanzug zum Prozess.
Kobe Bryant, der Basketballstar, stand wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Colorado vor Gericht. Er kam elegant zum Gericht und wurde freigesprochen.
Martha Stewart trug eine teure Handtasche von Hermès, die mindestens 6000 Dollar gekostet hatte. Es wurde spekuliert, dass sie damit einige Juroren beleidigt hatte. Stewart wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Die Geschworenenauswahl

Das Auswahlverfahren der Geschworenen kann Wochen dauern. 4000 Bürger müssen sich für den Prozess als Juroren auf Abruf bereithalten. 750 stellen sich vor. Aus zunächst rund 750 potentiellen Jury-Mitgliedern werden dann über Wochen hinweg in einem komplizierten Verfahren zwölf Geschworene und acht Ersatzleute ausgewählt. Die Eröffnungsplädoyers im Hauptverfahren werden erst in einigen Wochen erwartet.

Die Jurorkandidaten kommen in Gruppen von je 150 Leuten in den Saal. Jackson muss jedem ins Gesicht blicken. Jackson lächelte sie an. Sprechen darf er mit ihnen jedoch nicht. Im Gegensatz zu seinem vorigen Prozess, bleibt er diesmal vor dem Publikum freundlich, gelassen und ruhig. Seine Anwälte rieten es ihm.

Der Richter Rodney Melville sortiert die Geschworenen-Kandidaten aus. Verteidiger und Staatsanwälte nehmen die Kandidaten ins Kreuzverhör. Wer voreingenommen oder schwach wirkt, scheidet aus. Nur wen Staatsanwalt und Verteidiger gemeinsam akzeptieren, nimmt auf der Geschworenenbank Platz.


Nachtrag vom 17. Februar 2005: Auf dem Weg zum Gericht erleidet Michael Jackson einen Schwächeanfall und muss ins Spital eingeliefert werden.


Nachtrag vom 20. Februar 2005: Nachdem geheime Protokolle im Internet publiziert worden waren spekulieren nun die US-Medien, wer die 1903 Seiten Verhörprotokolle für die Veröffentlichung im Internet weitergegeben hat. Verdächtigt wird Jacksons Verteidigung. Die Preisgabe der geheimen Protokolle könnte den Prozess platzen lassen. Dies käme Jackson gelegen. Er selbst protestierte nicht gegen die Veröffentlichung, sondern nutzte die Protokolle im Internet zu seiner Verteidigung. Es ist erstaunlich, welche Rolle das Internet in verschiedensten Bereichen in diesem Fall spielt.




Nachtag vom 20. Februar 2005: Geheime Protokolle im Internet

Die 1903 Seiten Verhörprotokolle beinhalten Mitschriften von Zeugenaussagen mit Schilderungen über angebliche sexuelle Handlungen von Michael Jackson. Teile dieser an sich geheimen Protokoll wurden im Internet veröffentlicht. Die Dokumente hätten eigentlich auf richterlichen Beschluss erst im laufenden Prozess publik gemacht worden sollen. Wichtigster Zeuge ist Gavin Arvizo, dem Jackson damals die Krebstherapie finanziert. Im "Bild" konnte man Auszüge von Gavins Aussagen lesen, die den Prozess ausgelöst hatten:

Frage: Wofür habt ihr den Computer benutzt? Antwort: Frank (ein Vertrauter von Jacko) startete den Computer. Und ... dann erschienen da Bilder von Girls.
Frage: Wie waren diese Girls bekleidet? Antwort: Gar nicht.
Frage: Und dann habt ihr auf die Bilder geguckt? Antwort: Ja.
Frage: Auf nackte Frauen? Antwort: Ja.
Frage: Wie lange habt ihr euch das angesehen? Antwort: Ich bin nicht sicher. Vielleicht 20 Minuten bis zu einer Stunde ... Nackte Frauen. Nackte Mädchen
Frage: Während ihr die Bilder angesehen habt, hat Mr. Jackson da etwas gesagt? Antwort: Ja.
Frage: Was hat er gesagt? Antwort: Hat Milch.
Frage: Entschuldigung, was? Antwort: Sie hat Milch.
Frage: Was war auf dem Computer, das zu diesem Kommentar führte? Antwort: Ein Girl, das ihr Shirt hochschob und ihre BrÞste zeigte. Und er sagte: "Hat Milch"
Frage: Hat Mr. Jackson zu irgend jemand anderem im Raum noch etwas gesagt? Antwort: Ja. Prince und Paris (Jackos Kinder) waren auf dem Bett - sie lagen da, schlafend. Und dann lehnte er sich über Prince und flüsterte in sein Ohr: "Prince, dir fehlt eine P-U-S-S-Y (Gavin buchstabiert das Wort aus Scham)
Frage: Hat er es buchstabiert oder gesagt? Antwort: Er sagte es.


Eine andere Befragung:

Frage: Wo hast du geschlafen? Antwort: Ich schlief in ... die erste Nacht ...
Frage: Ja? Antwort: Ich glaube, ich schlief in seinem Zimmer.
Frage: In Mr. Jacksons Zimmer. Antwort: Ich denke, ja.
Frage: Mit wem? Antwort: Mit meinem Bruder.
Frage: Wie kam es dazu, dass du im Zimmer mit Mr. Jackson geschlafen hast? Antwort: Wir haben Abendbrot gegessen und Michael kam zu mir und sagte, ich solle ihn vor meinen Eltern fragen, ob ich in seinem Zimmer schlafen darf.
Frage: Was war deine Antwort? Antwort: Es war okay.
Frage: Wer war da noch mit in seinem Schlafzimmer? Antwort: Mein Bruder, Frank und ich.
Frage: Als du die erste Nacht im Zimmer von Michael Jackson warst, hast du da Geschenke bekommen? Antwort: Ja.
Frage: Was hast du bekommen? Antwort: Ich bekam einen Computer, einen Macintosh Computer, und einige DVDs, weil Michael mir erzählte, er könne die darauf abspielen.






Nachtrag vom 25. Februar, 2005: Die Geschworenenjury steht fest.

Acht Frauen und vier Männer sind es, ein 20-jähriger Mann ist der Jüngste, eine 79- jährige Frau die Älteste im Bunde - und kein Schwarzer ist dabei. Mit der raschen Bestimmung der "Jackson Twelve", wie die Gruppe in Anlehnung an die frühere Pop-Band The Jackson Five getauft wurde, kann die "heisse Phase" des spektakulären Prozesses im kalifornischen Santa Maria schon in der kommenden Woche beginnen. Nach Abschluss der Auswahl von acht Ersatzjuroren und Anhörungen über noch ungelöste Prozedurfragen werden Anklage und Verteidigung ihre mit Spannung erwarteten Eröffnungsplädoyers halten.




Nachtrag vom 26. Februar 2005: Stategie: Familie des Belastungszeugen wird demontiert (Quelle: Blick) Beim Prozess gegen Michael Jackson geht um viel. Die Abwehrstrategie von Jacksons Anwalt Thomas Meserau ist deshalb wenig zimperlich. Bereits drei Tage vor dem Eröffnungsplädoyer schimmert die Verteidigungstaktik durch: dabei wird auch das Ansehen der Familie des Jungens in Miskredit gebracht werden:

  • Die Mutter soll früher vor Gericht gelogen und die Sozialbehörden gar übers Ohr gehauen haben.
  • bei einer frühere Klage der Mutter gegen eine Modekette hatte sie dem Sicherheitspersonal damals fälschlicherweise vorgeworfen, sie geschlagen, begrapscht und festgehalten zu haben, nachdem ihr Sohn dort Kleidung mitgenommen hatte, ohne diese zu bezahlen.
  • Die Mutter des Jungen habe die von der beklagten Modekette gezahlte Entschädigung von 150'000 Dollar vor den Behörden versteckt zu haben, um weiter Sozialhilfe zu kassieren.
  • Zudem habe sie Promi-Spendengelder, die für ihren krebskranken Sohn bestimmt waren, für eine Busenvergrösserung verjubelt.


Richter Rodney Melville lässte Mesereau diese Information präsentieren. Staatsanwalt Roy Zonen erklärte den letzten Vorwurf für irrelevant. Schliesslich gehe es in dem Verfahren um Michael Jackson. Zonen trumpfte mit dem Argument auf, Jackson habe in einer Fernsehdokumentation zugegeben, häufiger mit Kindern in einem Bett zu schlafen. In dem Film war auch das mutmassliche Opfer mit dem Popstar zu sehen. Der Anklageschrift zufolge fand der Missbrauch nach der Ausstrahlung des Films statt. Die Staatsanwaltschaft wirft Jackson vor, er habe den Jungen und seine Familie auf seiner Neverland Ranch gefangen gehalten. Einen Antrag der Verteidigung, letzteren Vorwurf mit Berichten über eine Liebesbeziehung der Mutter zu einem Polizisten in derselben Zeit zu widerlegen, wies das Gericht ab. Auch die Unterstellung, die Frau sei damals nicht zurechnungsfähig gewesen, müsse die Verteidigung erst beweisen, erklärte Richter Melville.




Nachtrag vom 28. Februar: Patt nach Plädoyers

Aussage gegen Aussage - das ist die Bilanz nach den Auftaktplädoyers im Missbrauchsprozess gegen den King of Pop. Im Prozess gegen den Superstar wird das mutmassliche Opfer selbst auftreten. Der Staatsanwalt kündigte an, dass der Junge seine "sexuellen Erlebnisse mit Michael Jackson" selbst beschreiben werde.

Quelle: Spiegel.

Der amerikanische Fernsehkanal "E! Entertainment Television" beginnt unterdessen, die Vorkommnisse im Gerichtssaal nachzuspielen, denn Kameras sind vom Prozess verbannt worden. Schauspiele werden die Szenen nachspielen. Jeden Tag 15 Minuten. Der Sender hat schon Erfahrung in diesem Genre, denn beim Simpson Spektakel wurden schon Szenen nachgespielt.

Quelle: News24.com.




Nachtrag vom 2. März, 2005: Traut sich Jackson in den Zeugenstand? Der Verteidiger spricht von einer Intrige, der Staatsanwalt von "Alkohol-Exzessen" und "Kindersex". Gerüchte meine, dass Jackson selbst seine Unschuld beteuern will und sich vor Gericht sogar einem Kreuzverhör stellen würde. Links:




Nachtrag vom 28. März, 2005: Jackson vergleicht sich mit Mandela Michael Jackson sieht sich als Opfer einer Verschwörung. Der Popstar beteuerte in einem Interview in der Radioshow "Keep Hope Alive with the Reverend Jesse Jackson" seine Unschuld - und schreckte auch nicht davor zurück, sich mit Nelson Mandela zu vergleichen.


Rhetorik.ch 1998-2012 © K-K Kommunikationsberatung Knill.com