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 rhetorik.ch aktuell:  Zur Rhetorik der Fundamentalisten        </title>
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<center><table cellpadding=5 border=0 cellspacing=3 width=100%>
<tr><th width=10%><a href="http://www.rhetorik.ch">Rhetorik.ch</a></th>
<th><h3> Knill+Knill Kommunikationsberatung </h3></th>
<th width=10%><a href="http://www.knill.com"> Knill.com</a></th></tr></table></center>
<center><table width=100% bgcolor="#eeeeee" border=0 cellpadding=3 cellspacing=0>
<td align=center><a href="http://www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell.html">Aktuell Artikel</a></td>
<td align=center><a href="http://www.rhetorik.ch/inhalt.html">Artikel Inhaltsverzeichnis</a></td>
<td align=right>Suche in Rhetorik.ch:</td>
<td align=right>

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</td></tr></table></center>

<h3 class="aktuell"><a href="../../Aktuell.html">www.rhetorik.ch aktuell:</a> (08. Apr, 2010)</h3>
<a href="../../../icons.html"><img src="thumb.jpg" class="icon" align="left"/></a><h2 class="aktuell">Zur Rhetorik der Fundamentalisten       </h2>
<center><table width="100%" cellpadding="10"><tr><td>
<b>Rhetorik.ch Artikel zum Thema:</b></td><td>
<div id="links"><ul id="links">
<li><a href="../../Schweiz.html"> Aktuell Schweiz</a></li>
</ul></div></td></tr></table></center>
<center><table cellpadding=10 width="90%"><tr><td>
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<div class="legende">  
DRS 2 Interview vom 8. April, 2010 mit Marcus Knill.
</td><td>
<a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/drs2-08042010.html">Radio DRS 2</a>
Welche rhetorischen Muster pr&auml;gen Gespr&auml;che mit Fundamentalisten? 
</td></tr></table></center>

<br><br><center><table cellpadding="10" width="90%" bgcolor="#ffffff"><tr><td>
<b>Rhetorischer Argumentationsnotstand im &ouml;ffentlichen Islam-Diskurs?</b> <br><br>

Gedanken zur Rhetorik der Fundamentalisten: <br><br>

Muster und Techniken der Fundamentalisten - Weshalb haben religi&ouml;se
Fanatiker in Diskussionen oft so leichtes Spiel? Wie m&uuml;ssen wir
uns bei Mediendiskussionen verhalten?

Die Analyse zahlreicher Diskussionsrunden und Filmsequenzen macht
bewusst, weshalb extreme Sektierer (Scientologen, Religi&ouml;se Sektierer 
oder wortgl&auml;ubige Islamisten) meist breit zu Wort kommen und die
s&auml;kulare Mehrheit sich kaum zu wehren weiss. In Fernsehsendungen,
Zeitungsberichten und anderen Medien kommen die fundamentalistischen
Exponenten oft recht gut weg. <br><br>

<b>Ein Beispiel:</b>

Die Kopftuch- oder Burkadebatte wird in allen Sendungen von den
Fundamentalisten rhetorisch geschickt ins Spiel gebracht. Kopftuch
und Burka werden von den Islamisten gleichgesetzt. Im Namen der
Religionsfreiheit werden Parallelen zu Kopftuch tragenden Frauen
(Walliserfrauen oder schleiertragende Klosterfrauen) gezogen. In
der Argumentation wird die Unterordnung der Frau und der Verzicht
auf die Selbstbestimmung ausgeklammert. Obschon die Burka im Koran
nicht explizit erw&auml;hnt wird. Dort heisst es lediglich, die Frauen
sollen die Dschallaba tragen, ein Kleid von den Schultern bis zu den
F&uuml;ssen, der Kopf bleibt frei. Diese Zeilen werden aber von den
Fundamentalisten als Zwang zum Burka tragen ausgelegt. Wer vermummt ist,
kann nicht identifiziert werden. Gangster, Einbrecher und gewaltbereite
Demonstranten vermummen sich. In jeder Bank, bei Beh&ouml;rden, am Zoll
oder in der Bahn, &uuml;berall muss man das Gesicht zeigen. Weshalb
sollte diese selbstverst&auml;ndliche Offenlegung des Gesichtes nicht
verlangt werden?  J&uuml;ngst sorgte eine burkatragende Autofahrerin
f&uuml;r grossen Aerger in den Medien, weil sie nicht geb&uuml;sst
werden konnte. Auf der Polizeifoto konnte die fehlbare Fahrerin nicht
identifiziert werden. Es ist erstaunlich, wie solche Fakten Aspekte in
Diskussionen viel zu wenig aufgezeigt werden. <br><br>

Folgende Muster dominieren die Rhetorik der Fundamentalisten: <br><br>

<ul>
<li>Das Extreme, die Dogmen werden durch besch&ouml;nigen und verharmlosen
geschickt und gewandt umgedeutet:
Aus dem legalen Schlagen der Frauen wird nur ein kleines zahnstocher&auml;hnlichens 
"St&ouml;cklein" benutzt und die Frau wird lediglich leicht geschubst (SF CLUB).

<li> Fakten werden unterdr&uuml;ckt:

Es wird behauptet alle islamische Redner w&uuml;rden in der Schweiz als
Hassprediger bezeichnet.

<li>Fanatismus wird mit Weichsp&uuml;lern salonf&auml;hig gemacht:

Ehrenmorde, Beschneidung von M&auml;dchen, Steinigungen, Bombenterror
w&uuml;rde die Schweiz gar nicht betreffen. Viele Aussagen seien
Behauptungen und w&uuml;rden bei uns falsch ausgelegt.

<li>Einseitiger Toleranzanspruch:

Der Koran wird Fundamentalisten wortw&ouml;rtlich genommen , ohne die
geringste Toleranz. Von der Gegenseite wird hingegen Dialogbereitschaft
und Toleranz gefordert.

<li>Fanatiker beherrschen Lenkungstechniken:

Werden fr&uuml;here Gewalttaten oder Missst&auml;nde angesprochen,
wird sofort das Thema gewechselt. Oder es heisst dann: Wir wollen
nicht zur&uuml;ckblicken, schauen wir lieber nach vorn. Damit ist das
unangenehme Thema vom Tisch.

Werden Widerspr&uuml;che aufgezeigt (Warum geben Sie keiner Frau
die Hand.  Weshalb gibt aber der Kollege dennoch die Hand), wird diese
unangenehme Frage abgeblockt mit dem Hinweis: Dies ist der Entscheid
jedes Einzelnen.  Doch niemand hakt nach und will wissen, wo die Grenze
der freien Entscheidung im Alltag ist. Das Selbstbestimmungsrecht fehlt
sonst bei Fundamentalisten.

<li>Begriffe werden neu definiert:

Integration wird angeblich bejaht. Wer aber dem auf den Grund geht, merkt:
Integration heisst bei den Fundamentalisten lediglich: Die Sprache des
Landes erwerben. Alles andere wird abgelehnt. Ein Anpassen an die Sitten
und Gebr&auml;uche der anderen Kultur wird als <b>Assimilation</b> verworfen.
- Bei Vorw&uuml;rfen "Gewalt gegen Frauen" folgt ein Redeschwall &uuml;ber
Gewalttaten der M&auml;nner in unserer Zivilisation. Und schon ist das
Thema vom Tisch. Das Gegen&uuml;ber f&uuml;hlt sich schuldig und hakt
nicht mehr nach.

<li> Die Unfehlbarkeit des Korans darf niemand hinterfragen. Es
gibt keine Interpretation. Die Bedenken - Gewaltt&auml;tern
(Selbstmordattent&auml;ter) gegen&uuml;ber - werden mit dem
Argument weggewischt: Das sind nur ganz wenige, denn die Mehrzahl der
Gl&auml;ubigen lehnt terroristische Anschl&auml;ge ab. Es gibt in der
Schweiz keine fanatischen Selbstmordattent&auml;ter.
</ul>

<b>Erkenntnis aus den Diskussionen:</b><br><br>

Eine diffuse Angst vor Fundamentalisten schimmert bei allen Diskussionen
durch, wenngleich uns die Wortf&uuml;hrer der Extremisten weis machen
wollen, es sei ja bei uns nichts zu bef&uuml;rchten, rechtlich k&ouml;nne
man ihnen nichts vorwerfen.

Ich hatte in Berlin Gelegenheit, hinter die Kulissen des
Staatssicherheitsdienstes zu sehen. Mich erstaunte es, dass vor allem
deutsche Konvertiten gewaltbereit sind, und sich ausbilden lassen, wie man
sich f&uuml;r die heilige Sache opfern kann. Ich habe einfache Anleitungen
zum Bauen von Bomben gesehen - auch im Internet. Dies gab mir zu denken.

Seit einem Vortrag in Schaffhausen von <b>Ulrich Tilgner</b>, der Filmaufnahmen
an Kontrollpunkten im Irak gezeigt hatte, kann ich die diffuse Angst
der Bev&ouml;lkerung besser nachvollziehen. Bei Fundamentalisten
braucht es n&auml;mlich nur ganz wenige Personen um eine Katastrophe
zu inszenieren. Das Argument, es gebe nur wenig Extremisten hilft uns
heute nicht weiter. <br><br>

In der Praxis ist es so, dass beispielsweise in Irak kein
Soldat oder Polizist an einem Check point Bombentr&auml;ger
festnimmt. Die Kontrolleure wissen ganz genau: W&uuml;rden sie die
Selbstmordattent&auml;ter kontrollieren, hiesse dies, mit ihnen in die
Luft zu fliegen. Und wer will schon feiwillig umkommen. Man dr&uuml;ckt
beide Auge zu und der Tilgners Film veranschaulichte, wie Verd&auml;chtige
problemlos passieren konnten. <br><br>

Die &Ouml;ffentlichkeit ist sich heute viel zu wenig bewusst, dass die moderne
Technik (Handy, Internet, Sprengstofftechnik) - verbunden mit ideologisch-
religi&ouml;sem Gedankengut brisant ist. Samuel Huntington hat schon
1996 in seinem Buch "Kampf der Kulturen" darauf aufmerksam gemacht,
dass Fundamentalismus und moderne Technik ein hochexplosives Gemisch
ergeben. "Die Art wie wir mit dem Fundamentalismus umgehen, entscheidet
&uuml;ber unser Ueberleben im 21. Jahrhundert", folgerte er. Seit
Jahren stellen wir fest, dass die religi&ouml;se R&uuml;ckeroberung
mit modernen, neuen Mitteln System hat. Die gr&ouml;ssten M&auml;chte
scheitern mit ihren Armeen und den modernsten milit&auml;rischen Mitteln
gegen jene Fundamentalisten, die bereit sind, sich f&uuml;r ihren Glauben
zu opfern . Gut ausger&uuml;stete Armeen beissen sich seit Jahren an
Fundamentalisten die Z&auml;hne aus. (Afghanistan, Irak usw) <br><br>

<b>Worauf beruht der Erfolg des Fundamentalismus?</b> <br><br>

Mit ihrer einfachen Sicht der Dinge, dem absoluten Glauben an Dogmen
wird f&uuml;r die Gl&auml;ubigen das Leben vereinfacht. Menschen, die im
freiheitlichen Raum &uuml;berfordert sind, erhalten durch die einfachen
strengen Regeln Halt. Sie m&uuml;ssen nicht mehr Fragen stellen, nicht
mehr nachdenken. Es gibt keine Zweifel mehr. Sie k&ouml;nnen blind glauben.

<b> Wie sollen wir uns in Diskussionen mit Fundamentalisten verhalten?</b>

Wer an Gespr&auml;chsrunden teilnimmt, sollte sich vor allem sehr gut
vorbereiten. Er m&uuml;sste Fakten sammeln und sollte die raffinierten
Dialoge trainieren. W&auml;hrend den Debatten gilt es, gut zuzuh&ouml;ren.
Ausweichtechniken und rhetorische Tricks m&uuml;ssen wahrgenommen,
erkannt werden.  Nennen wir sie beim Namen und entlarven sie. "Fragen
statt sagen" ist eine rhetorische Kunst, die man lernen kann.  Wenn
ausgewichen wird, m&uuml;ssten die Gespr&auml;chspartner den Mut haben,
auf wichtige Punkte zur&uuml;ckzukommen. In der erw&auml;hnten Sendung
CLUB &uuml;ber den Fundamentalismus war es vor allem Christine Meier, die
es verstand, Ungereimtheiten auszusprechen und konkrete Fragen zu stellen.
Bei Dialogen gilt es, Grenzen auszuloten, Widerspr&auml;che aufzudecken!
Die Forderungen nach einer Parallelgesellschaft (Separate Schulen usw.)
werden meist stillschweigend hingenommen.
Falls private Schule toleriert w&uuml;rden, wie andere Privatschulen, m&uuml;ssen 
sie sich auch wie alle andern Schulen hospitieren lassen und die rechtstaatlichen 
Grunds&auml;tze einhalten. <br><br>

<b>Wir m&uuml;ssen von den Fundamentalisten ebenfalls Toleranz fordern.</b>

Ich w&uuml;rde subversiv argumentieren: Anstatt zu sagen: "Was Sie sagen -
ist falsch!" w&uuml;rde ich den Gedanken weiter spinnen: "Ich zeige Dir, was Du 
glaubst" und dies dann konkret aufzeigen.

Als Kommunikationsberater wurde ich gefragt: Sollte man den Medien
nicht abraten, Fundamentalisten (Militante Islamisten, Scientologen,
Evangelikale usw.) zu &ouml;ffentliche Diskussionen einzuladen?

Als Berater weiss ich, dass sich Menschen mit fundamentalistischem
Verhalten durch noch so gute Argumente nicht von ihrer Sicht abbringen
lassen. Das gilt bei allen fundamentalistischen Ansichten (Politik,
Religionen, Gesundheitsfragen). Dennoch bin ich prinzipiell gegen Zensur,
Redeverbote, Maulkorbpolitik. Mir ist die Meinungsfreiheit ein wichtiges
Gut. Doch gibt es dort Grenzen, wo eine Bewegung einer kriminellen
Vereinigung angeh&ouml;rt.
</td></tr></table></center><br><br>


</br><center><table bgcolor="#eeeeee" cellpadding=5 border=0 cellspacing=3 width=100%><tr><th> <a href="http://www.rhetorik.ch">Rhetorik.ch</a></th><th> 1998-2011 
&copy; K-K Kommunikationsberatung </th><th><a href="http://www.knill.com">Knill.com</a></th></tr></table></center>           

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