This is Google's cache of http://www.rhetorik.ch/Aktuell/05/07_07.html. It is a snapshot of the page as it appeared on Nov 12, 2019 07:55:20 GMT. The current page could have changed in the meantime. Learn more.
These search terms are highlighted:krisenkommunikation
Full versionText-only versionView source
Tip: To quickly find your search term on this page, press Ctrl+F or ⌘-F (Mac) and use the find bar.
rhetorik.ch aktuell: Krisenkommunikation - Der Anschlag von London
Rhetorik.ch


Knill+Knill Kommunikationsberatung

Knill.com

www.rhetorik.ch aktuell: (7. Juli, 2005)

Krisenkommunikation - Der Anschlag von London


Am 7. July 2005 ist eine Serie von Bombenanschläge auf Untergrund und Buslinien verübt worden. Ähnlich wie bei der Tsunami Katastrophe war die Information über den Anschlag am Anfang nicht präzis: BBC meinte am Donnerstag morgen, dass die Explosionen an 7 verschiedenen Orten stattgefunden hätte und dass 2 Personen getötet und über Hundert verletzt worden seien. Am Freitag hiess es zuerst, dass es mindestens 37, dann endlich, dass es über 50 Tote gegeben habe und 4 Explosionen stattgefunden haben. Über 700 Menschen seien verletzt worden.


  • Der Englische Premierminister Tony Blair meinte schon Stunden nach dem Anschlag, dass es "ziemlich klar sei", dass das Terror anschläge seien und im Zusammenhang zum G8 Gipfeltreffen in Schottland stünden.
  • Blair ist vom Treffen sofort nach London zurückgekehrt.
  • Das mobile Telephonsystem in London ist von der Überlastung zusammengebrochen.
  • Al Quada hat sich auf einer Webseite sofort schriftlich zum Anschlag bekannt. Ein Schreiben der mutmasslichen Attentäter erschien schon am Donnerstag in den Medien.
  • Blogs und Foren funktionierten in London. Internet-Cafes in der Innenstadt berichten über das Chaos im Zentrum. Ein Bericht: "Es war alles ruhig geblieben. Nicht wie 9/11, als die Leute durch die Strassen rannten. Die Briten regen sich einfach nicht auf."
  • Wikinews, eine von Lesern geschriebene Website war fast so schnell wie die Online Medien und hatte mehr Bilder.
  • Bilder von Foto-Handies waren die einzigen, die die Orte direkt nach der Katastrophe zeigten.


Nachtrag vom 9. Juli, 2005 Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, das es im Terrorkrieg des 21.Jahrhunderts auch um den Kampf der Bilder geht. Mit Bildern haben Pazifisten die Brutalität des Krieges bewusst gemacht. Mit Bildern wollte die Terroristen die Erfolge Ihrer Anschläge der Weltöffetnlichkeit demonstrieren. Nach unserem Dafürhalten waren die Bilder aus London für die Terroristen aber kontraproduktiv: Die Bilder weckten Wut gegen die Täter, gegen ihre religiöse Gesinnung. Die Bilder führten zu einer Solidarisierung in der Bevölkerung gegen die Terrorakte. Die "10 vor 10" Moderatorin Susanne Wille bringt es in einem Interview auf den Punkt:

"Die Bilder aus London gingen mir sehr nahe - auch deshalb, weil die TV -Bilder Teil der Strategie von Terroristen sind. Die Medien sind in einer heiklen Situation. Wir müssen uns genau überlegen, was wir zeigen sollen und was nicht."


Auf die Frage, ob die Medien ein Instrument der Terroristen sind, meinte Susanne Wille:

"Gerhard Paul schreibt in einem Buch vom "Bild als Kriegserklärung" Die Terroristen wissen, wie sie mit wenig Aufwand den Medienraum besetzen und grösstmögliche Aufmerksamkeit schaffen. Natürlich können die Medien nicht auf Bilder verzichten. Aber wir müssen uns der Wirkung bewusst sein und die Mechanismen transparent machen."




Nachtrag vom 21. Juli: Wieder Bomben in Londoner U-Bahn

Offenbar nur wenige Verletzte Genau zwei Wochen nach den Terroranschlägen auf die Londoner U-Bahn sind in London am Donnerstag erneut Bomben explodiert. Offenbar handelte es sich um kleine Sprengsätze; es gab nach ersten Angaben nur wenige Verletzte. Die Polizei nahm am Abend einen Verdächtigen fest.

Nach unserem Dafürhalten bezwecken die Terroristen eine Verunsicherung der Bevölkerung. Diesmal waren keine Profis am Werk.Waren es Nachahmetäter? Wir könnten uns gut vorstellen, dass die Engländer jetzt ähnlich reagieren wie im zweiten Weltkrieg. Der Widerstandswillen wird druch die Anschläge gestärkt. Problematisch wird es nun für die gesamte islamistische Bevölkerungsgruppe. Diese müssten jetzt ganz klar die Aktionen der Terroristen verurteilen. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Wut generell gegen eine Bevölkerungsgruppe richtet (Blitzableiterphänomen: Die Spannung wird auf einen Sündenbock gelenkt).




Nachtrag vom 23. Juli: Ein erschossener Terrorverdächtiger war unschuldig

Bei der Jagd nach den neuen Attentaten wurde ein verdächtiger Mann von einem Scotland Yard Beamten in Zivil getroffen. Der Mann war den Aufforderungen der Polizei nicht gefolgt und wurde auf der Flucht von einer Kugel getroffen. Der Mann scheint jedoch keine Verbindung zu den Vorfällen vom 21. Juli gehabt zu haben. Die Ermittlungen nach den neuen Tätern ist noch im vollem Gange. Am Freitag waren Fahndungsfotos von vier Verdächtigen auf den Titelseiten zu sehen:





Rhetorik.ch
1998-2012 © K-K Kommunikationsberatung Knill.com