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rhetorik.ch aktuell: Jörg Kachelmann und die Wurstmaschine
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www.rhetorik.ch aktuell: (29. Feb, 2008)

Jörg Kachelmann und die Wurstmaschine

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:


Im November 2007 verbreiteten die Medien eine Aussage, die der Meteorologe Jörg Kachelmann angeblich gemacht haben soll. Es wurde im Internet, im Fernsehen und in der Presse publiziert; Kachelmann habe gesagt:

Er habe einmal Sex bei 120 Sachen gehabt.


Nach Kachelmanns Rechtsanwälten ist dies eine Falschaussage. Der Mandant habe sich zu keinem Zeitpunkt dazu geäussert, am KFZ-Steuer, im Auto oder gar auf der Autobahn bei 120 km/h Sex gehabt zu haben.


Tatsache ist, dass nicht wenige Artikel und Fernsehbeiträge die Aussage übernommen haben. Auch wir zitierten im Beitrag vom 7.11.07 das Fernsehen und den "Sonntagsblick". All jene, die Kachelmanns Aussage zitiert haben, wurden auch wir über die Hocker Rechtsanwälte in Köln aufgefordert, dieses angebliche "Falschzitat" im Netz zu löschen. Wir stellten fest, dass das "Schweizerfernsehen" und einzelne Medien den Kachelmann Beitrag aus dem Archiv entfernt haben.


Briefe des Rechtsanwaltsbüros "Hocker" vom 27. Februar 2008. Wir werden auf dieser Seite die Korrespondenz weiterverfolgen.


Die Rechtsanwälte hatten nicht bedacht, dass man die Aussagen trotz des Einschwärzens und Löschens im Cache von Suchmaschinen weiterfindet.





Noch aktuelle Links: Wer Zitate von Zitaten publiziert, muss tatsächlich bedenken:

Die Presse darf sich nicht auf einen publizierten Betrag abstützen. Recherchieren heisst: Verschiedenen Quellen überprüfen. Wir nehmen an, dass Herr Kachelmann hier das Opfer eines Irrtums wurde. Er wurde falsch zitiert und dieses Zitat hat sich im Lauffeuer verbreitet. Das ist bedauerlich.

Wir vertreten bei unseren Beratungen die Meinung, dass man Falschaussagen rasch begegnen muss. Angenommen, Kachelmann habe etwas Ähnliches gesagt - nur eine unbedachte Äusserung - so hätte die Korrektur sofort - ebenfalls über die Medien - erfolgen müssen. Wir erleben es immer wieder, dass man publizierte Texte nachträglich kaum mehr eliminieren kann. Es ist wie bei einer Wurstmaschine. Man kann die Maschine nicht retour laufen lassen, im Glauben aus Würsten gebe es wieder Fleischstücke.


Jörg Kachelmann muss vorgeworfen werden:
  • Er hat zu spät reagiert. Die Würste sind bereits gegessen.
  • Obschon die Medienrechtler gewisse Archivbeiträge mühsam aus dem Netz entfernen konnten, so ist Kachelmanns Marke dennoch angeschlagen und so bleibt die Geschichte im Netz verewigt.
  • Die Aufräumerei hat die Geschichte wieder ins Gedächtnis gerufen. Die Würste wurden nochmals aufgewärmt.
Wenn Persönlichkeitsrechte oder die Ehre verletzt wird, muss reagiert werden. (Ein Brief mit der Bitte, beim Artikel beizufügen, dass die Aussage nicht der Wahrheit entspricht hätte genügt, eine Gegendarstellung zu plazieren). Wir fragen uns, ob Kachelmanns Vorgehen mit einem Anwaltsbüro geschickt war. Anwälte kümmern sich im Allgemeinen nicht um PR und haben so die Sache für ihren Mandanten nur noch verschlimmert. Man nennt das den Streisand effekt.


In der Bevölkerung wird durch die Intervention der Juristen, die Geschichte nochmals aktualisiert und viele fragen sich: Was hat Kachelmann in dieser Geschichte wortwörtlich gesagt? Die Öffentlichkeit urteilt nun nach dem Prinzip:

Wo Rauch ist, da ist auch Feuer.


Und so riechts dann oft auch - manchmal sogar bei 120 Sachen - nach grillierten Würstchen.




Persoenlich April 2008, Seite 42. [PDF]

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