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rhetorik.ch aktuell: Erfolg und Medienwert
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www.rhetorik.ch aktuell: (28. Jun, 2009)

Erfolg und Medienwert

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:


Ob Sportler, Propstar oder Schauspieler: Medien lieben die Veränderung im Status der Publikumsgunst einer Prominenz. Diese Mediengunst hängt auch vom Erfolg oder Misserfolg ab.

Stars werden von Medien gerne aufgebaut. Wenn es nicht mehr weiter geht und der Stern in den Himmel gehoben worden ist, kann auch die Demontage wertvoll werden, denn das Verbleiben auf einem Hoch ist nicht interessant. Die Prominenz wird durch Paparazzi, Skandaljäger in der Boulvevard Gerüchteküche gebraten bis sie wieder am Boden ist. Beim Tod des Stars kehrt sich die Richtung wieder und zwar abrupt. Dann wird auch eine gefallene Figur wieder zum Idol stilisiert. Hier ist unsere Medienregel:

Der Medienwert einer Persönlichkeit ist der Absolutwert vom Produkt zwischen dem Publikums-Erfolgswechsel mit dem maximalen oder minimalen bisherigen Erfolgswert beim Publikum.

Medienwert(t) = |Gunstwechsel(t)| . Maxs < t |Gunst(s)|


Medienwert und Erfolg sind verschiedene Paar Schuhe, wie Kriminalfälle zeigen, doch sind die beiden Grössen verlinkt. Der Medienwert kann vor allem bei Skandalen oder Überraschungserfolgen gross werden.

Ein erfolgreicher Mensch oder tragischer Fall, bei dem sich nichts ändert, ist medientheoretisch nicht interessant. Ebenso ist ein unbekannter Mensch, bei dem sich viel ändert, uninteressant. Medien lieben aber die Erfolgs- oder Gunst- veränderung im Status einer hoch stehenden oder tief verachteten Person. Der Aufstieg und Fall ist vor allem stratosphärischen Höhen oder tief im Dreck spannend. Der Film kennt das auch. Ein gefallener Star oder ein Verbrecher, der plötzlich gesundet, das erregt die Gemüter. Hier sind ein paar Beispiele für diese Medienregel:

Ganz klar konnte man dies bei Michael Jackson sehen. Bei Jackson kam nach dem Klimax ein tiefer Fall, der erst durch sein Tod aufgefangen werden konnte. Jetzt, kurz nach seinem Tod ist er wieder der Grösste. Kaum einer der ihn heute hochlobenden Kommentatoren haben ihn damals verteidigt, als er vor Gericht stand. Jackson Aktuell Artikel. Die Medienkunstkurve muss nicht immer nur einmal schwanken. Bei Roger Federer sah man einen Antiklimax. Als Federer die Nummer 1 wurde und ein Wachstum nicht mehr möglich war, da wurde es erst wieder interessant, als sein Stern zu sinken schien. Man begann ihn abzuschreiben. Das "Comeback" kehrte die Richtung wieder um. Federer, in der Mediengunst wieder runter gekommen, konnte wieder mit Gewinn aufgebaut werden.
Ganz krass geht der Aufstieg und Fall bei American Idols oder "Brittain's got Talent", wo Nobodies über Nacht zu Stars werden. Sind sie oben, gehts nicht mehr weiter, denn sie sind ja ein Kunstprodukt der Publikumsgunst. Also kann ihr Medienwert nur noch bestehen, indem sie wieder runtergerissen werden. Beispiele waren Paul Potts und Susan Boyle. Es gibt intelligente Stars, die das Auf und Ab gut beherrschen oder gar steuern. Madonna zum Beispiel konnte sich durch Umdefinition und erneute Comebacks immer wieder aufbauen und durch selbstinszinierte Skandale wieder abbauen, wohl wissend (oder intuitiv spürend), dass auch durch Publikumsgunstabstieg der Medienwert wieder steigt. Beispiel I, Beispiel II.
Auch der Schweizer Skisportler Bernhard Russi konnte sich durch Umdefinitionen (Golf, Sportreporter, geschickte Reklame) den Medienwert surfen. Das Auf und Ab half der Mediengunst. Andere Stars Roland Colombin, der sich in Jahre 1974 den Rücken gebrochen hatte, oder Franz Klammer einem Österreichischem Ski-Superstar, hat man nach dem Rücktritt mehr viel gehoört. Einmal pensioniert, ist keine Veränderung mehr da und der Medienwert sinkt. Der Schachspieler Bobby Fischer erreichte durch eine steile Karriere und einen ebenso steilen Fall viel Medienwert. Der Höhepunkt war der Sieg gegen Spassky im Jahre 1972, ein Spiel mit viel Dramaturgie auch vor dem Spiel: Fischer stellte viele Forderungen, unter anderem das Verbot von Kameras. Später kam ein tiefer Fall. Fischer hörte ganz auf zu spielen und machte nur noch mit rassistischen und anti Amerikanischen Reden von sich hören.
Der OJ Simpson Fall in den USA war deshalb ein riesen Medienspektakel, weil der Star so hoch oben war als er fiel. Als Simpson am Boden war, h¨tte nur ein Comeback helfen können, doch das ist bei Sportlern oft nicht mehr möglich. Die Publikumsgunst kann nicht wieder aufbauen werden. Das zweite Urteil hat den Medienwert nicht mehr gross erhöht, weil Simpson in der Publikumsgunst schon am Boden lag und ein Wechsel kaum möglich war. Simpson's Buch. Der Medienwert eines Skandalpolitikers ist gross. Ein Beispiel ist Silvio Berlusconi. Durch ungehäuerliches Auftreten oder Skandale konnte er seinen Medienwert beibehalten. Man muss sich fragen, ob dieser Politiker die Medienwertformel kennt. Für Politiker ist Medienexposition wichtig. Berlusconi ist ein Beispiel, der das auf negative Weise zeigt. Berlusconi Artikel.
Der ehemalige Schweizer Botschafter Thomas Bohrer hat durch seinen Fall einen beachtlichen Medienwert erhalten. Borer Skandal Protokoll. Auch Christoph Blocher profitierte vom Auf und Ab in der Publikumsgunst. Es ging eine Zeitlang nur um Blocher. Blocher war für die Medien ein Goldschatz. Das Ausscheiden aus dem Bundesrat, das Abgeschrieben sein, das Gerede um ein Comeback haben diesen Politiker immer noch einen sicheren Medienwert behalten. Blocher Aktuell Artikel.
Auch die Schweizer Bundesräte Samuel Schmid und Hans-Rudolf Merz konnten dieses Auf und Ab erleben. Die Affaire Nef war für Samuel Schmid ein Rollercoaster, für Hans-Rudolf Merz gings bei der USB Geschichte um viel Goodwill. Sportler erleben das Auf und Ab extrem. Ein guter Skifahrer etwa, der verunfallt, hat einen riesen Medienwert, bis er vergessen ist und sich keiner mehr interessiert. Bei Daniel Albrecht war der Sturz auch medial ein Erreignis. Ein erfolgreiches Comeback könnte seinen Medienwert auf neue hohe Werte bringen. Ärzte müssen medientauglich sein.
Hollywood Schauspieler können durch Scheidung und Wiederheirat ihren Medienwert steuern. Wichtige Wechsel in der Publikumsgunst sind gute Filme. Angelina Jolie zum Beispiel, eine der meistbezahlten Holywoodschauspielerinnen passt gut. Sie war mit berühmten Schauspielern verheiratet: Jonny Lee Miller und Billy Bob Thornton und jetzt mit Brad Pitt. Sie bilden zusammen das Thema "Brangelina", ein Klatschthema von unendlichem Medienwert. Die Publikumsgunst kann auch negativ sein, wie beim Fall von Josef Fritzl in Österreich, Terroristen wie Bin Laden, Diktatoren wie Saddam Hussein oder Grossmäuler wie Ahmadinedschad oder Hugo Chavez. Dem Medienwert hilft auch die negative Publikumsgunst. Das Böse fasziniert nicht nur in Monster- oder Drakulafilmen. Im wirklichen Leben ist es noch viel spannender.
Seitensprünge von Prominenten wie Politikern sind immer unterhaltsam. Der Monika Lewinsky Skandal von Bill Clinton zum Beispiel führte zu einer monatelangem Orgie für die Medien. Paris Hilton im Gefängnis war ein Fall, der ihren Medienwert erhöht hat. Auch Brittney Spears hat ihr Name zu einem der meistgesuchtesten Namen auf dem Internet gemacht. Mehr auch durch Skandale. Hilton Aktuell Artikel.
Bei Sportlern ist Doping ein Extremfall. Der Publikumsgunstwechel ist extrem. Ein Erfolgreicher Sportler, der in ein Doping (Jan Ullrich) oder Drogenfall Martin Hinggis verwickelt wird, ist medienmässig interessant. Ist der Wechsel in der Publikumsgunst wieder abgeflacht, interssiert sich keiner mehr für den Sportler. Das Letzte, was man von ihm hörte, war sein Rücktritt im Jahre 2007. Ullrichs Interview bei Beckmann.



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