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rhetorik.ch aktuell: Auch Ärzte müssen medientauglich sein
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www.rhetorik.ch aktuell: (18. Mar, 2009)

Auch Ärzte müssen medientauglich sein

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Die folgende Analyse ist in der Zeitschrift Persönlich (www.persoenlich.com), dem online Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft im März 2009 erschienen. Der Abdruck hier ist mit Genehmigung von "Persoenlich" erfolgt.

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Leidet das Inselspital unter einem Paparazzi-Trauma? Im Gegensatz zum Universitätsspital Innsbruck informierte das Inselspital über den Genesungszustand das Skiweltmeisters Daniel Albrecht immer erstaunlich karg.

Offensichtlich hält sich das Inselspital in Bern mit Medienauskünften seit der Ueberweisung erstaunlich bedeckt. Das Verhalten könnte aus meiner Sicht auf ein Paparazzi-Trauma zurückzuführen sein. (Bundesrat Merz wurde bei der Einlieferung fotographiert). Daniel Albrecht wurde im Inselspital Bern jedenfalls von der Öffentlichkeit bis heute äusserst streng abgeschottet. Das Spital hatte wiederholt kommuniziert:

"Es werden keine weiteren Auskünfte erteilt und in dieser Angelegenheit keine Medienbesuche auf dem Inselareal toleriert. Anzeigen wegen Verletzung des Art. 186 StGB [Hausfriedensbruch] bleiben vorbehalten."

Auch das Universitätsspital Innsbruck hätte eigentlich allen Grund gehabt, nach einem eigenen Paparazzi Erlebnis zu überreagieren. Denn dieses Spital hatte auch eine Paparazzi Attacke erlebt. Damals, als die Aerzte den slowakischen Präsidenten behandelt hatten, sind Fotografen aufs Dach gestiegen und versuchten ins Krankenzimmer hinein zu fotografieren. Doch die Innsbrucker hatten nach diesem Vorfall kein nachhaltiges Medientrauma.

Zur Situation in Bern: Das Inselspital Bern hielt konsequent weiter an seiner kargen Informationspolitik fest. Das Inselspital Bern hatte - wie angekündigt - eine Medienmitteilung veröffentlicht. Dieser sind jedoch keine neuen Informationen zum Gesundheitszustand von Daniel Albrecht zu entnehmen. Der 25-jährige Walliser befindet sich nach wie vor im Inselspital (Universitätsspital Bern) hiess es trocken. "Die komplexen Verletzungen, die er erlitten hat, erfordern weiterhin eine hochspezialisierte medizinische Betreuung", so das Inselspital. Der Patient benötige weiterhin äusserste Ruhe. Die Besuchserlaubnis bleibe auf seine nächste Umgebung beschränkt. Das Inselspital unterliess es nicht, vorgängig erneut drohend zu kommunizieren, dass man nicht kommunizieren wolle. "Es werden keine weiteren Auskünfte erteilt und in dieser Angelegenheit keine Medienbesuche auf dem Inselareal toleriert. Anzeigen wegen Verletzung des Art. 186 StGB [Hausfriedensbruch] bleiben vorbehalten." "Informiert" werde erst wieder am Freitag, den 27. Februar, mittags. In der NZZ fand ich eine Stellungnahme zur kargen Informationspraxis des Kommunikationschefs des Spitals mit dem Kommunikationschef Markus Hächler arbeitet in der Fachstelle Kommunikation und Medien des Inselspitals Bern:

NZZ online: Herr Hächler, das Inselspital hat in der Angelegenheit Albrechts die Medien wiederholt aufgefordert, das Inselareal nicht zu betreten, und bei Zuwiderhandlung juristische Schritte angedroht. Was hat das Spital zu dieser drastischen Massnahme veranlasst? Markus Hächler: Als Bundesrat Merz bei uns behandelt wurde, bemerkten wir einen Paparazzo auf einem Hausdach. Unser Sicherheitsdienst konnte ihn zwar vertreiben; es erschien keine Foto aus dem Krankenzimmer. Wir wollen aber sicherstellen, dass diese Szene sich nicht wiederholt. Die Androhung einer Klage im Falle eines Hausfriedensbruchs gibt uns die unmissverständliche rechtliche Grundlage dazu.
NZZ online: Haben die Medien Ihre Massnahme geachtet? Hächler: Ja, sie haben sich absolut korrekt verhalten.
NZZ Online: Und doch hat sich ein Medienhaus einen Informationsvorsprung vor den anderen verschafft. Hat Ihre Massnahme richtig gewirkt? Hächler: Es überrascht mich nicht, dass Medienanfragen an Giusep Fry gelangen, den engen Freund und Manager des Rekonvaleszenten. Wir bleiben aber im Interesse des Patienten bei unserer zurückhaltenden Information. Wir müssen im Inselspital stets die Güter Schutz des Patienten und Information der Öffentlichkeit abwägen.
NZZ Online: Können Sie Frys Aussagen zu Albrecht bestätigen? Hächler: Wir werden am Freitagmittag informieren.
NZZ Online: Die Universitätsklinik Innsbruck hatte noch umfassend informiert. Hächler: Die Schreckensbilder des Sturzes gingen um die Welt. Das Informationsbedürftnis war in dieser Akutphase entsprechend höher.


Das Interview macht bewusst, dass das Inselspital unter einen Paparazzi-Trauma gelitten hat. Man verzichtet in Bern immer auf eine proaktive Informationspolitik. Die "zu zurückhaltende Informationspraxis" führte verständlicherweise dazu, dass die Medien auf andere Quellen auswichen, die dann vom Spital nicht mehr beeinflusst werden konnten. Hächler hat gemerkt, dass er auf die Frage nach der Richtigkeit von Frys Antworten nicht eingehen durfte. Er gab keine Antwort. Die Frage war eine JA/NEIN Falle. Hätte er die Frage bejaht, wäre dies fürs Spital ebenso peinlich gewesen, wie wenn die Aussage falsch gewesen wäre. Er war auch vorsichtig, als es der Vergleich mit der offenen Kommunikation der Innsbrucker Aerzte und die karge Informationspraxis des Berner Spitals angesprochen wurde. Anstatt den Innsbrucker Arzten die Schuld zuzuschieben, beispielsweise mit einem feinen Seitenhieb (Innsbruck habe leider zu optimistisch oder zu offen informiert), differenzierte Mächler die Frage mit dem geschickten Hinweis, dass eben am Anfang das Informationsbedürftnis grösser gewesen sei. Wenn wir jedoch die Informationen genau zurückverfolgen, so stellen wir fest: Es gibt einen klaren Schnitt hinsichtlich der Information aus Bern. Bern hätte nämlich laut These Hächlers am Anfang ebenefalls offener informieren müssen als heute. Doch können wir allen Bulletins entnehmen: Das Inselspital informierte von Anfang weg immer zu karg und nur tröpfchenweise. Der Grund liegt für mich heute auf dem Tisch: Das Inselspital muss unter einem Paparazzi-Trauma gelitten haben, das es zu jenem Zeitpunkt noch nicht verarbeiten konnte.



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